Hessische Gesellschaft
für Ornithologie und Naturschutz e.V.


Arbeitskreis Frankfurt am Main


Der Hobby-Ornithologe Swen Wäscher zeigt seine Sammlung mit Federn
europäischer Vogelarten im Heimatmuseum Bergen-Enkheim

Bergen-Enkheim. Swen Wäscher sammelt und präpariert Vogelfedern. In der Hand hält er den Flügel einer Schleiereule, der momentan im Heimatmuseum Bergen-Enkheim zu sehen ist. Sie sind weiß-gelb gefleckt, schwarz gestreift oder exotisch bunt gefärbt. Gegen Licht gehalten schimmern feine Muster durch. Sie sind glatt oder haben eine samtweiche Schicht, die den Flug in der Nacht, etwa den der Schleiereule, noch leiser macht. Ein Teil der Sammlung der europäischen Vogelarten und ihres hübschen wie funktionellen Federschmucks ist derzeit im Heimatmuseum Bergen-Enkheim zu sehen. Und Swen Wäscher kennt sie alle. Denn Vogelfedern sind schon seit seiner Kindheit seine Leidenschaft. Die Ausstellung im Heimatmuseum ist nur ein kleiner Querschnitt aus seiner eigenen Sammlung. Bereits mit 13 Jahren entdeckte Wäscher die Faszination, die von den Federn ausgeht. Damals interessierte er sich noch für Amphibien - bis ihn ein Freund mit zum Verein Schutzgemeinschaft Deutscher Wald nahm. "Der Vogelschutz hat mich besonders interessiert, weil hier die Vielfalt der Farben und Muster viel größer ist als bei Fröschen oder Salamandern", sagt er. Schnell entwickelte sich sein Zimmer zu einem Tier-Museum mit mehr als 200 Vogelarten. Neben Blindschleichen und Fledermäusen in Gläsern sammeln sich dort vor allem Vogelschädel- und Teilpräparate von ganzen Flügeln.

Außerdem hebt Wäscher akribisch jede Feder auf, die er finden kann, konserviert sie und setzt sie mit Stecknadeln zu ganzen aufgefächerten, flügelförmigen Ensembles auf Styroporplatten zusammen. Die Sammlung wächst auf seinen Reisen durch Südeuropa, an den Neusiedler See in Österreich und nach Skandinavien. Überall sucht und findet Wäscher Vogelkadaver oder Flügelreste. Auch theoretisch beschäftigte sich Wäscher schon früh, gemeinsam mit zwei Freunden, mit der Ornithologie. Im Alter von 17 Jahren nahmen die drei am Wettbewerb "Jugend forscht" teil. Ihr Thema: Die Zahl der Vögel, die jährlich im Straßenverkehr getötet werden. Dazu suchten sie regelmäßig die Hauptstraßen in Mühlheim nach toten Tieren ab. Auch wenn es für einen Preis bei dem Wettbewerb nicht reichte, machten die Jugendlichen weiter und erhielten schließlich kurz darauf den Umweltpreis der Stadt Mühlheim, wo Wäscher bis zu seinem 25. Lebensjahr wohnte.

Eigentlich wollte er sein Hobby zürn Beruf machen. "Aber die Präparatorenschule in Bochum war mir dann doch zu weit weg", sagt der heute 35-Jährige. Nach seinem Zivildienst für die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz in der Vogelberingungsstation Bergen-Enkheim entschied er sich für eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsgärtner, "um der Natur nahe zu bleiben".

Bis heute unterstützt er ornithologische Initiativen und wenn Ausstellungen sind, bestimmt er auf Wunsch mitgebrachte Feder, verrät ihre Herkunft, Alter und Geschlecht der Tiere. Wäscher: "Ich habe so viele tote Vögel gesehen, seziert und präpariert, dass ich jede einheimische Vogelart erkenne."

Wer selbst unbekannte Vogelfedern zu Hause hat, kann sie sich am Sonntag, 9. Juli, von Swen Wäscher im Heimatmuseum Bergen-Enkheim, Marktstraße 13, bestimmen lassen. Wäscher ist dort von 15 bis 18 Uhr.
Frankfurter Rundschau, 07.07.2006