Hessische Gesellschaft
für Ornithologie und Naturschutz e.V.


Arbeitskreis Frankfurt am Main

 
Obstwiese in Harheim wird zum Eldorado für Pflanzen und Tiere

Harheim. Bald können sich zwei Steinkauz-Paare im Harheimer Feld über ein feudales Zuhause freuen. Mitarbeiter des Vereins "Nature Fund" und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) haben auf der an die Straße "Im Kalk" angrenzenden Streuobstwiese an Obstbäumen große Brutröhren angebracht.

Wenn es nach den Naturliebhabern geht, soll ihren Schützlingen bald niemand mehr den Wohnplatz nehmen können. Sie beabsichtigen nämlich, die 3500 Quadratmeter große Wiese zu kaufen. "Das ist die einzige Möglichkeit, sich vor Gesetzesänderungen zu schützen", sagt Walter Gengenbach vom Arbeitskreis Frankfurt der HGON. So sei der geltende Schutz der Streuobstwiesen bedroht gewesen. "Davon ist der hessische Gesetzgeber aber zum Glück wieder abgekommen."

Mit Eigentümerin Monika Dichmann ist schon ein Kaufpreis von 20.000 Euro vereinbart. "Es ist schön, wenn die Pflege der Obstbäume mit dem Schutz der Tiere verbunden wird", sagt Bernhard Dichmann. "Wir haben früher die Bäume selbst gepflegt, aber mit zunehmenden Alter fällt die Arbeit schwerer." Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, den Vogelschützern tüchtig beim Baumschnitt zu helfen.

Nun fehlt nur noch das nötige Geld. Die Naturschützer versuchen den Kauf mit Spenden und Patenschaften zu finanzieren. "Für 30 Euro können die Paten fünf Quadratmeter Streuobstwiese schützen", erklärt Katja Wiese, Geschäftsführerin von "Nature Fund". Dieser hat bereits schützenswerte Buchenwälder erworben. "Bis 2020 planen wir insgesamt 3,5 Millionen Quadratmeter aufzukaufen."

Weitere Einnahmen soll der Verkauf von Schnäpsen des eigenen Obstes bringen. "Wir wollten ursprünglich das Obst direkt verkaufen, aber das gibt ein Lagerproblem", sagt Gengenbach. Der Gewinn aus dem Verkauf soll allein in den Kauf der Wiesen fließen. Die Naturschützer sind vom Harheimer Feld begeistert. Durch die Nidda ist es vom Frankfurter Trubel abgeschnitten und lädt zu gedehnten Spaziergängen ein. Etwa 3000 Tierarten, darunter viele Insekten, aber auch verschiedene Specht-Arten sind dort angesiedelt. Die Steinkäuze sind besonders bedroht: "Es sind mehr Steinkäuze allein im Rhein-Main-Gebiet zu finden als in ganz Bayern."

Die neuen Brutröhren aus Beton bieten ihnen Schutz sogar vor Mardern. "Sie werden von den Vögeln sehr gut angenommen", teilt Robert Feig vom HGON mit. Ihr Zuhause polstern sich die Käuze mit unverdauten Fellresten ihrer Beutetiere. "Die machen es sich dort schön gemütlich."

Nach dem Kauf überlassen die Naturschützer die Wiese nicht sich selbst. "Wir pflegen die Bäume und mähen die Wiesen", sagt Gengenbach. "Die Obstbäume müssen regelmäßig geschnitten werden." Auch neue Bäume werden gepflanzt. Ideal sei ein Bestand, der sich zu je einem Drittel aus jungen, mittelalten und alten Bäumen zusammensetzt. "Erst im Alter von 30 Jahren eignen sich die Bäume für die Käuze zum Brüten."

Auch an die Wiesen stellen diese Tiere besondere Anforderungen: Sie müssen teils hochgewachsen, teils gemäht sein. "Sonst finden sie keine Nahrung", erklärt Gengenbach. Bei den Wiesen im Harheimer Feld handelt es sich um Glatthaferwiesen. "Sie sind sehr schützenswert."

Spenden für das Projekt können unter dem Kennwort "Streuobstwiese" auf das Konto des "Nature Fund" mit der Nummer 101261352 und der Bankleitzahl 51050015 bei der Naspa Wiesbaden überwiesen werden. Weitere Informationen zu den Patenschaften sind unter www.naturefund.de nachzulesen oder unter der Telefonnummer (0611) 4450025 zu erfragen. Informationen zu den Veranstaltungen der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz gibt es unter www.hgon.de oder unter der Rufnummer (06187)3786.
Frankfurter Neue Presse, 20.10.2007



Keine Schnaps-Idee
Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz möchte Harheimer Wiese kaufen und Hochprozentiges herstellen

Ein Apfelschnaps mundet sehr. Und von Frankfurter Streuobstwiesen noch viel mehr. Pestizidfrei, versteht sich. Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) möchte eine dreieinhalbtausend Quadratmeter große Streuobstwiese in Harheim erwerben. Und die Ernte der rund 30 Apfel-, Birnen- und Kirschbäume in echte Frankfurter Spirituosen verwandeln.

"Wir hatten überlegt, die Ernte von der Streuobstwiese zu verkaufen", sagt Walter Gengenbach, Leiter des Frankfurter Arbeitskreises der Naturschützer. Das brächte aber Komplikationen mit sich. Das Obst müsse früh gesammelt werden, sei nicht lange haltbar und müsse gelagert werden. "Wir arbeiten ehrenamtlich und wären an Kapazitätsgrenzen gestoßen." Die Früchte in Schnaps zu verwandeln verlängert die Sammelzeit. "Es spielt keine Rolle, ob das Obst überreif ist. Und wenn es lange in den Fässern gärt, wird der Schnaps nur besser", so Gengenbach. Die Idee mit dem Schnaps ist also keine Schnaps-Idee. Und auch die Frankfurter Natur soll davon profitieren: Die Gesellschaft will die Gewinne restlos in Streuobstwiesen reinvestieren. Das sind sehr wichtige Biotope, in denen geschätzte 30000 Tierarten und zahlreiche Pflanzengattungen siedeln. Die Frankfurter wollen Bäume schneiden, pflanzen und die schützenswerten und bedrohten Wiesen pflegen, wie die Glatthaferwiesen in Harheim.

Das sollte auch den zwei Steinkauzpärchen gefallen, die auf der Wiese an der Straße "Im Kalk" nisten. Denn die Ornithologen und Naturschützer setzen sich für die Erhaltung alter Obstbäume ein, die Käuze gern besiedeln.

Streuobstwiesen hat die HGON in der Stadt schon in Seckbach, Bergen-Enkheim, Sossenheim und anderen Stadtteilen im Besitz, gepachtet oder in Pflege. Ende der 80er hat sie damit begonnen. Inzwischen sind es insgesamt so viele, dass Gengenbach die Anzahl nicht beziffern kann. Kaufen möchten die Naturschützer das Gebiet in Harheim für 20.000 Euro. Wenn solche Flächen in Privateigentum übergehen, kann der Staat Landschaftsschutzgebiete nicht einfach streichen", sagt Gengenbach. Bernhard Dichmann, Ehemann der derzeitigen Eigentümerin der Wiese, ist darüber froh. Auch weil die Pflege der Bäume viel Zeit in Anspruch nimmt. "An großen Bäumen kann man schon einen halben Tag schneiden", sagt der 56-Jährige, "eine oder zwei Personen könnten das nicht leisten." Er steht am Apfelbaum, hält seine Handsäge und beobachtet, wie die Naturschützer mit elektrischem Gerät die Bäume bearbeiten. "Das hat man als Privatmann nicht."

Das Geld für die Wiese soll durch Spenden zusammenkommen. Dafür suchen die Naturschützer Sponsoren, die Mit-Paten der Fläche werden. Das Geld geht an den Verein Naturefund. Die Paten, können bei der Gestaltung der Wiese nicht mitreden. Sie bekommen eine Urkunde, können sich die Wiesenentwicklung im Internet ansehen, sich über die Vermehrung von Steinkäuzen freuen - und natürlich Schnaps trinken.

Spendenkonto Naturefund: 1012 61252,Bankleitzahl Nassauische Sparkasse 51050015. Infos zum Verein: www.naturefund.de
Frankfurter Rundschau, 22.10.2007



Streuobstwiese in Harheim

So werden Streuobstwiesen in Harheim winterfest gemacht

Harheim. Freilebende Vögel benötigen neben wilden Naturschutzflächen auch die vom Menschen geschaffenen Kulturbiotope. Paradebeispiel dafür sind die für den Frankfurter Nordosten typischen Streuobstwiesen. Auch im Harheimer Feld gibt es noch einige solcher Flächen. "Die alten Gehölze liefern den Vögeln Futter und bieten ihnen Versteck- und Nistplätze", sagt Walter Gengenbach von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON).

Die HGON bemüht sich seit zehn Jahren, die Wiesen zu schützen und arbeitet mit Experten für Obstbaumschnitt zusammen. Dass dabei nicht unbeachtliche Kosten entstehen, liegt auf der Hand. Die Gesellschaft ist deshalb auf Spenden und Förderer angewiesen. Grund zur Freude hatten Gengenbach und seinen Mitarbeiter, als sich die Fraport AG, die Betreiberin des Frankfurter Flughafens, bereit erklärte, das Projekt zu unterstützen. Gestern überreichte Rainer Gomolluch von der regionalen Förderungsabteilung der Fraport einen Scheck über 50.000 Euro. "Wir wollen uns dafür einsetzen, dass auch unsere Nachkommen noch über die hessischen Streuobstwiesen laufen können", betont er.

Mehr als 3000 verschiedene Tierarten leben in den Streuobstwiesen, neben den Vögeln hauptsächlich Insekten. "Auch Zugvögel nutzen die Wiesen als Zwischenstopp." Diese erhalten sich aber nicht von selbst. Das Gras muss gemäht, die die Obstbäume müssen gepflanzt und geschnitten werden.

Nach der Scheckübergabe konnte Landschaftspfleger Adam Kirst auf der Streuobstwiese im Harheimer Feld gleich an die Arbeit gehen und begann, mit seinem Hoch-Entaster einen alten Kirschbaum auszulichten. "Äste, die in einem Winkel von über 50 Grad vom Stamm abstehen, sollten entfernt werden", erklärt Robert Feig von der HGON. "Sonst wird zu viel Kraft auf sie ausgeübt." Kirst empfiehlt Herbst und Winter als Zeiten zum Baumschnitt. "Es sollte allerdings nicht unter fünf Grad Minus kalt sein."

Als nächstes stand das Pflanzen eines Apfelbaumes der alten Sorte "Oldenburger" an. "Die Veredelungsstelle muss noch aus dem gegrabenen Loch herausragen, sonst ist es das sichere Ende des Baumes", erklärt Kirst. Ebenso wichtig sei es, die Grassoden um den Jungen Baum zu entfernen und die Erde über der Wurzel durch Aufstampfen zu verdichten.

Auf der Wiese befinden sich noch Obstsorten ganz alter Herkunft. "Allein auf diesen 1000 Quadratmeter wachsen 30 verschiedene Obstgehölze", zählt Feig auf. Darunter sind auch die mit Dornen ausgestatteten Urformen heutiger Obstsorten wie Holzapfel und Holzbirne zu entdecken.

Um einen langfristigen Schutz der Wiesen zu ermöglichen, versucht die HGON, zusammen mit dem Projekt "Nature Fund" Obstwiesen im Harheimer Feld zu erwerben. Dafür werden noch Baum-Paten gesucht: "Für ein Drittel der Bäume haben wir schon Paten gefunden", sagt Gengenbach. Zudem bemühen sich die Naturschützer, mit Hilfe von Führungen den Menschen das Thema Streuobstwiesen näher zu bringen.

Weitere Informationen zu den Baum-Patenschaften sind unter www.naturefund.de nachzulesen oder unter der Telefonnummer 0611/4450025 zu erfragen. Informationen zu den Veranstaltungen der HGON gibt es unter der Telefonnummer 06187/3786.
Frankfurter Neue Presse, 17.11.2007



Geldregen für Streuobst
Fraport spendet Naturschützern 50.000 Euro

Harheim. Schafsnase, Bohnenapfel, Butterbirne und schwarze Knorpelkirsche - nein, das gehört nicht alles in eine Hexenküche. Es sind nur seltene Qbstbaumsorten, alte Sorten, vom Aussterben bedroht. Die hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Artenvielfalt im Frankfurter Raum um alte heimische Obstbaumsorten zu erhöhen, und bestehende zu erhalten.

"Früher gab es mehr als tausend Apfelsorten in Deutschland," sagt Walter Gengenbach. Heute stünden im Laden nicht mehr als fünf zur Auswahl, fährt der Arbeitskreisleiter der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) fort. Die Naturschützer kaufen Streuobstparzellen auf und kümmern sich um die Bäume. In Harheim etwa besitzt die HGON 1000 Quadratmeter Wiese und pflegt die Kirschen, Liguster, Brombeeren und stacheligen Holzäpfel. Zwischen die vielen noch recht jungen Bäume pflanzte die HGON am Freitag einen weiteren noch dünnästigen Apfelbaum. Obwohl mehr als 30 verschiedene Sorten auf dem recht kurzen Streifen wachsen, fällt die kleine Streuobstwiese neben den großen Äckern links und rechts kaum auf. "Streuobstwiesen werden bei der Ausweitung von Baugebieten gerodet", sagt Robert Feig von der HGON. Auch für Bauern sei der Erhalt von Bäumen wenig effizient. Es lasse sich besser mit großen Traktor arbeiten. Und die bräuchten große Flächen. Außerdem sei der Erhalt von Streuobstwiesen teuer. Auch für Naturschützer. "Die staatliche Unterstützung ist gekürzt worden", sagt Feig. Dabei handele es sich doch um Kulturbiotope. Im Unterschied zu Wäldern erhielten sich die Wiesen nicht von selbst, brauchten regelmäßige Pflege.

Seit Jahren kooperiert die HGON deshalb mit großen Unternehmen wie der Fraport, die am Freitag einen Scheck von 50.000 Euro überreichte. Die Airportbetreiberin unterstützt aus ihrem Umweltfonds die Arbeit der HGON zwischen Harheim und Maintal. "Streuobstwiesen sind eine typische Landschaftsform der Region, die zu dem eine hohe Artenvielfalt aufweist," sagt Fraport-Sprecher Rainer Gomolluch. Viele Organisationen könnten ihren Einsatz für den Naturschutz ohne die Hilfe der Wirtschaft selbst nicht mehr finanzieren.

Streuobstwiesen:
Die Naturschutz- und Vogelschutzgesellschaft HGON, besitzt mehrere Streuobstwiesen in Frankfurt. Viele kleinere Parzellen liegen in Seckbach, Harheim und in Preungesheim. Mit 60 Hektar ist die Wiese am Berger Hang in Bergen-Enkheim die Größte. In Hessen liegen die größten zusammenhängenden Streuobstflächen Deutschlands.

Für die seltenen Steinkäuze sind die Wiesen ein beliebter Brutplatz. In Frankfurt brüten rund 60 der Vogelpaare - laut HGON mehr als in Bayern.
Frankfurter Rundschau, 17.11.2007



50.000 Euro von Fraport für Umweltschützer

Aus ihrem Umweltfonds hat die Fraport AG der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) 50.000 Euro gespendet. Nach den Worten von HGON-Schatzmeister Robert Feig arbeitet seine Organisation seit 2000 mit dem Flughafenbetreiber zusammen. Da die staatliche Förderung immer geringer werde, seien, die Umweltschützer auf Spenden aus der Wirtschaft angewiesen. Die Pflege der Streuobstwiesen, das Hauptanliegen der HGÖN, sei aufwendig und teuer, die Bäume müssten geschnitten, der Rasen gemäht werden. Die Gesellschaft besitzt oder pachtet Streuobstwiesen in den Stadtteilen Seckbach, Bergen-Enkheim, Harheim und Sossenheim. Die Streuobstwiesen im Frankfurter Raum seien die größten zusammenhängenden in Hessen, sagte Feig. Sie böten Lebensraum für rund 3000 Tierarten, darunter auch 60 Paare des gefährdeten Steinkauzes.
Frankfurter Allgemeine, 17.11.2007