Hessische Gesellschaft
für Ornithologie und Naturschutz e.V.


Arbeitskreis Frankfurt am Main
Presse-Artikel 2012

Frankfurter Neue Presse vom 10.05.2012
Den Vogelstimmen auf die Spur gehen


Bonames. In den Märchen der Gebrüder Grimm spielen immer wieder Vögel eine Rolle: Der Frankfurter Vogeltag präsentiert am Sonntag, 13. Mai, am Alten Flugplatz in Bonames erstmals ein großes Märchenzelt für Kinder und Erwachsene. Außerdem können Vogelliebhaber von 10 bis 18 Uhr Vogelhäuschen basteln, malen oder fliegende Objekte bauen. Den ganzen Tag über werden Vogelstimmenführungen angeboten.

Frühaufsteher können schön um 8.30 Uhr mit Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte losziehen. Im vergangenen Jahr, bekamen die Teilnehmer, bei der Führung einen Storch zu sehen. Möglicherweise war es der gleiche, der in diesem Jahr versuchte, am alten Flugplatz zu brüten - allerdings vergeblich. Die Experten erklären, warum es nicht geklappt hat.

Da der Tag mit der "Stunde der Gartenvögel" zusammenfällt, bieten die Akteure erstmals auch eine angeleitete Zählung der häufigsten Vogelarten an. Am alten Flugplatz sind bisher rund 90 gesichtet worden. Teilnehmen kann jeder, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener. Wer in seinem Garten Verbesserungen für Vögel anbieten möchte, kann sich gründlich beraten lassen und sogar geeignete Sträucher gewinnen.

Der Vogeltag wird vom Umweltamt geleitet, weiter wirken mit: die Naturschule Hessen, der Naturschutzbund Deutschland und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Das Towercafe sorgt für das leibliehe Wohl. Zur Stunde der Gartenvögel werden zwei weitere Führungen angeboten: Am Samstag, 12. Mai, um 12:05 Uhr im Botanischen Garten, Siesmayerstrasse (Treffpunkt ist der Schaukasten am Teich) und am Sonntag, 13. Mai um 7 Uhr am Berger Hang. Treffpunkt ist an der Haltestelle Bergen-Ost der Buslinien 42 und 43. Die Teilnahme ist kostenfrei.





Fechenheimer Anzeiger vom 23. Februar 2012:
Schutz für den "Grimback"
Feldhamster sind vom Aussterben bedroht Noch ehrenamtliche Helfer gesucht


Fechenheim/Maintal Knopfaugen, Stummelschwänzchen und ein buntes Fell der einheimische Feldhamster erfüllt sämtliche Niedlichkeitsmerkmale. Dennoch ist der kleine Nager fast ausgerottet. Über Feldhamsterpopulationen in Hessen und Maßnahmen zu dessen Schutz berichteten Olaf Godmann und Manfred Sattler von der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz (AGF) in der Vogelschutzwarte in Fechenheim. Einen spannenden Einblick in die Lebensweise des Kleinsäugers gewährte der Hochstädter Naturfotograf Manfred Sattler zudem mit beeindruckenden Bildern.

Die staatliche Vogelschutzwarte in der Steinauer Straße hatte zum Vortragsabend der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), Arbeitskreis Frankfurt, eingeladen und viele Interessierte und Experten fanden den Weg in die Steinauer Straße. Im noch fast frisch renovierten Hörsaalgebäude, das nach aufwändigen Sanierungsarbeiten im August vergangenen Jahres in Betrieb genommen worden war, stand die erste Veranstaltung im neuen Jahr des HGON ganz im Zeichen des Feldhamsters. "Wir wollen zeigen, dass Naturschutz nicht im stillen Kämmerchen passiert", so Arbeitskreisleiter Walter Gengenbach.

So präsentierte Olaf Godmann Objekte aus einer Kampagne, die den "Grimback", wie der Feldhamster auch volkstümlich genannt wird, auf sympathische Art vorstellen. Mit Stofftieren, Spielen, Aufklebern oder künstlichen Hamsterzähnen machte die AGF auf eine Tierart aufmerksam, von der viele Menschen glauben, es gäbe sie gar nicht. "Viele waren davon überzeugt, dass es sich bei den Feldhamstern um ausgebüxte Goldhamster handelt", erläuterte Godmann. Mit diesen Haustieren hat der Feldhamster jedoch sehr wenig zu tun. "Ein ausgewachsenes Feldhamster-Männchen kann es durchaus auf eine Körperlänge von 30 Zentimetern bringen und ein gutes Pfund wiegen", so Godmann. Zudem weist der Nager eine interessante Fellzeichnung auf am markantesten ist dabei sein schwarzer Bauch.

"Diese unverwechselbare Färbung zeigt kein zweiter heimischer Nager", erläuterte der Fachmann. Über die Funktion des schwarzen Bauchs haben die Forscher eine Theorie entwickelt: Der ausgesprochen wehrhafte Feldhamster richtet sich bei Bedrohung auf, bläst die Backen auf, faucht, beißt und kratzt. Zudem wirft er sich auf den Rücken, präsentiert seinen schwarzen Bauch und zieht die weißen Pfötchen an den Körper heran. "Ein Angreifer in Gestalt eines räuberischen Kleinsäugers glaubt nun, ein aufgerissenes Maul mit vier spitzen, weißen Fangzähnen vor sich zu sehen und ergreift die Flucht", berichtete Godmann. Doch trotz der cleveren Verteidigungsstrategie ist der Feldhamster vom Aussterben bedroht.

Laut Hessen-Forst reicht das größte zusammenhängende Hamster-Areal in Hessen von Wiesbaden im Südwesten bis in den Main-Kinzig-Kreis und nach Norden bis in den südlichen Landkreis Gießen. Die Tiere siedeln in Lössböden, da sie diese Erdbeschaffenheit benötigen, um ihre unterirdischen Baue einsturzsicher sowie vor Kälte und Feuchtigkeit geschützt anzulegen. Die Wandlung der Landwirtschaft von kleinen Äckern zu großen, monotonen Kulturflächen und effizientes, maschinelles Abernten der Feldfrüchte haben dazu beigetragen, dass der Feldhamster vom Bundesamt für Naturschutz zur am stärksten gefährdeten Säugetierart Deutschlands erklärt wurde.

Zum Schutz des Feldhamsters werden Landwirte finanziell motiviert, Stoppelstreifen, Nacherntestreifen oder "Mutterzellen" auf den Feldern stehen zu lassen, damit die Tiere dort Deckung und Futter für den Winter finden können. Die Nahrung benötigen die Hamster, da sie keinen durchgehenden Winterschlaf halten. Auch die Bebauung vieler Ackerflächen vernichtet die Hamsterpopulationen. Eine Notlösung sei es, die Tiere umzusetzen, so Manfred Sattler, doch bei diesem Vorgang seien stets hohe Verluste zu verzeichnen.

Der Naturfotograf Manfred Sattler hatte beeindruckende Aufnahmen von Maintaler Feldhamstern mitgebracht. Die interessanten Nager haben sein Herz im Sturm erobert. "Ich empfinde es als Privileg, diese Tiere in meiner Nachbarschaft zu haben", schwärmte der Hochstädter, der sogar in seinem heimischen Garten Feldhamster beobachten konnte. Nach der Diaschau, die unter anderem Einblicke in die "Kinderstube" des Nagers gewährte, und der Fülle an wissenswerten Informationen konnte jeder Besucher gut nachvollziehen, warum Sattler und Godmann so fasziniert von dem Kleinsäuger sind und alles daransetzen, dass er sich nicht "vom Acker" macht.

Zur Feldhamstererfassung im Main-Kinzig-Kreis werden noch ehrenamtliche Helfer gesucht. Nach der Getreideernte im August wird ein Gebiet zwischen Bergen-Enkheim, Bruchköbel und Nidderau unter Anleitung von Experten systematisch nach Hamsterbauten abgesucht, um eine Sommerkartierung zu erstellen. Festes Schuhwerk, Ausdauer und Freude an wissenschaftlichen Tätigkeiten im Freien sollten mitgebracht werden. Ansprechpartner ist Manfred Sattler, Telefon (0 61 81) 4 38 28 64, oder per E-Mail an freddy. sattler at freenet.de.

Eine Feldhamsterexkursion mit Manfred Sattler findet am Sonntag, 29. Juli, in Bergen-Enkheim statt. Treffpunkt ist am Ende der Marktstraße (Bushaltestelle der Linie 43). Beginn ist um 10 Uhr.

Er sieht putzig aus, ist aber äußerst wehrhaft, wenn Gefahr droht: Der Feldhamster ist vom Aussterben bedroht.

Fotos: Manfred Sattler



Frankfurter Rundschau vom 26. Januar 2012:
Neue Bäume für den Steinkauz
Die Fraport unterstützt Vogelschützer beim Erhalt von Streuobstwiesen


Harheim - Von Nils Sandrisser
Nebel liegt am Mittwochmorgen über der Nidda und den Feldern. Eine Landschaft wie aus einem Edgar-Walace-Krimi. Alte Obstbäume strecken ihre Äste wie dürre Finger in die Luft. Aber Walter Gengenbach findet genau diese Obstbäume toll. Er leitet den Frankfurter Arbeitskreis der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Hier in Harheim schaut er nach fünf jungen Apfelbäumen auf einer Streuobstwiese, die sein Verein anpflanzen lässt.

"Frankfurt ist traditionell Streuobstwiesengebiet", meint Gengenbach. Fast in jedem Stadtteil gibt es noch die eine oder andere dieser Landschaftsform. Ökologisch ist sie besonders bedeutend, weiß Gengenbach, und er hat auch gleich ein paar Beispiele parat. Er zeigt auf ein Gehölz in der Nebelsuppe: "Dort hinten in dem Kirschbaum lebt ein Steinkaüz." Die kleine Eule braucht die Nähe des Menschen: Hier findet sie genug Mäuse, Insekten und Würmer, von denen sie lebt. Auf die Insekten ist auch der Gartenrotschwanz scharf, den man hier findet. Drosseln, Dachse oder auch Marder freuen sich im Herbst über das überall herumliegende Fallobst. Und der Wendehals, eine graubraune Spechtart, braucht die Höhlen in den alten Bäumen, um seine Jungen aufzuziehen.

So eine Artenvielfalt findet auch Wolfgang Scholze toll. Der Biologe leitet das Umweltmanagment der Fraport AG. "Streuobstwiesen haben eine wichtige Funktion für die Biodiversität. Die wollen wir fördern. Außerdem sind diese Wiesen ja auch ein guter Erholungsraum|", sagt er. Die Fraport hat für die Pflegesaison 2011 und 2012 insgesamt 25000 Euro locker gemacht und sie der HGON gespendet. Pflegesaison, das ist vor allem der Herbst und zum Teil der Winter. Bäume im Sommer zurückzuschneiden ist Quatsch", weiß Gengenbach. Außerdem muss sein Verein auch auf brachliegenden Flächen Büsche herausreißen oder die Wiesen mähen. "Damit der Steinkauz seine Mäuse auch findet", lacht der Arbeitskreisleiter. In dieser Pflegesaison hat sein Verein rund 80 Obstbäume gepflanzt.

Das Geld von der Fraport kann die HGON gut gebrauchen. Denn obwohl es in Frankfurt noch einige Streuobstwiesen gibt, werden es immer weniger. "Diese Wirtschaftsform kann mit der modernen Landwirtschaft nicht konkurrieren", sagt Gengenbach. "Manchmal ziehen aber auch die Besitzer von Streuobstwiesen weg oder sie sind zu alt, um sich darum noch zu kümmern." "Sozialbrache" heißt das dann. In diesem Fall springt die HGON ein. Nur in seltenen Fällen erwirbt sie selbst aber die Wiesen, "Wenn ein Gelände in der Nähe eines Baugebietes liegt, dann überlegen wir uns einen Kauf, damit sie nicht selbst zugebaut wird", sagt Gengenbach. "Aber meistens pachten wir die Wiesen oder betreuen sie nur für die Besitzer. Die sind dann meistens auch ganz froh darüber."



Frankfurter Neue Presse vom 26.01.2012:
Retter der Äpfelkultur
Um Streuobstwiesen zu erhalten, pflanzen Naturschützer alte Obstsorten an


Rund 90 Prozent von Hessens Streuobstwiesen sind in den vergangenen 30 Jahren verschwunden. Was noch übrig ist, wollen Naturschützer unbedingt erhalten. In Harheim haben sie deshalb jetzt neue Apfelbäume gepflanzt.

Harheim - Um die unterschiedlichsten Biotope kümmert sich die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). "Einige Ortsgruppen betreuen Walder, andere Bachläufe", erklärt Walter Gengenbach, Leiter des Frankfurter Arbeitskreises. "Zu den wichtigsten Biotopen in Frankfurt zählen die Streuobstwiesen." Als Kulturlandschaft brauchen sie eigentlich Pflege, doch immer öfter Verwildern sie. Ab und zu sind Nachpflanzungen nötig, um den Charakter der Landschaft zu erhalten. Rund 80 Obstbäume hat die HGON seit dem vergangenen Herbst deshalb gepflanzt, am Berger Südhang, am Heiligenstock in Seckbach und in Sossenheim. Die letzten stehen seit gestern in Harheim, in Verlängerung der Straße "Im Kalk".

Viele Tiere lieben die alten Obstbäume, auch dann wenn sie keinen Ertrag mehr abwerfen. Walter Gengenbach zeigt auf die Reste eines Apfelbaums neben dem Weg. Nur ein einziger Ast mit wenigen Zweigen ragt noch in den Himmel. "Insekten haben den Baum zerfressen, der Wind hat an ihm gezerrt. Pilze haben das Kernholz zerfressen, so dass er hohl ist." Eigentlich ein Paradies für Tiere, Vögel wie der Steinkauz, der Wendehals oder der Gartenrotschwanz leben in den vielen Höhlen in den alten Bäumen. "Rund 6000 Arten leben auf der Streuobstwiese."

Bäume fallen um
Aber wieso alte Bäume ersetzen, wenn sie eine Heimstatt für so viele Tiere bilden? Wolfgang Scholz, promovierter Biologe und Leiter des Umweltmanagements der Fraport AG, zeigt es mit einer Geste: Mit seinem Arm macht er die Bewegung eines fallenden Baumes nach. "Irgendwann sind die Bäume so alt, das sie umstürzen." Dann müssen sie ersetzt werden. Scholz hat früher selbst Streuobstwiesen erforscht, sie sind ihm ans Herz gewachsen. Die aktuelle Pflanzaktion unterstützt Fraport mit 25000 Euro.

Ein wenig ähneln die Streuobstwiesen den Savannenlandschaften Afrikas, sagt Gengenbach. "Hochstämmige Bäume stehen hier auf Grasland." Oben wird Obst produziert. Unten weiden Tiere oder der Bauer produziert Heu. Früher jedenfalls. "Seit die Bewirtschaftung nicht mehr rentabel ist, liegen immer mehr Streuobstwiesen brach." Sie werden nicht mehr gemäht, Buschwerk macht sich breit. Die halboffene Landschaft, Heimat für viele Insekten, die wiederum Vögeln und anderen Tieren als Nahrung dienen, wächst langsam zu.

An jene halboffene Landschaft aber haben sich Vögel wie der Steinkauz angepasst. Intakte Streuobstwiesen sind ein ideales Revier für seine Jagd auf Mäuse, kleine Vögel und Insekten. Ein Pärchen brütet auch in Harheim. Vogelschützer haben Niströhren für die kleinen Eulen aufgehängt. Doch der Lebensraum für die nachtaktiven Vögel wird immer kleiner. "In den vergangenen 30 Jahren ist die Zahl der Streuobstwiesen in Hessen um 90 Prozent gesunken." Was noch übrig ist, will die HGON unbedingt erhalten. "Ideal ist ein Drittelmix: Ein Drittel alte Bäume, ein Drittel mittlere Bäume zwischen zehn und 30 Jahren und ein Drittel junge Bäume", sagt Walter Gengenberg, Seit fast 25 Jahre pflanze die HGON daher Obstbäume nach. "Rund 2600 Bäume haben wird in dieser Zeit gepflanzt."

Auch Speierlinge gesetzt
Vor allem alte Apfelsorten haben die Naturschützer dafür ausgesucht. In Harheim stehen Bäume des Rheinischen Bohnapfel, Kaiser Wilhelm oder Jakob Lebel. "Wir pflanzen aber auch Birnen-, Kirsch- oder Zwetschgenbäume. Auch zwei Speierlinge haben wir im Winter aufgestellt."

Beim Schutz der Streuobstwiesen arbeiten verschieden Naturschutzgruppen zusammen, ergänzen sich, etwa das Main-Äppel-Haus, der Obst- und Gartenbauverein Bergen-Enkheim, der NABU und der BUND. "Jeder hat dabei einen etwas anderen Schwerpunkt", erklärt Gengenbach. Dazu gehört bei der HGON auch die Bildungsarbeit. "Wir machen viele Führungen, etwa mit Kindern. Expeditionen an Ge wässern, zu Fledermäusen oder Feldhamstern." Aber auf die Frankfurter Streuobstwiesen geht es regelmäßig.

Termine finden Interessierte unter hgon-frankfurt.de im Internet und auf naturtermine.de.