Hessische Gesellschaft
für Ornithologie und Naturschutz e.V.


Arbeitskreis Frankfurt am Main


Ausstellung im Heimatmuseum
dokumentiert Streuobstwiesen als Lebensraum

Biotope brauchen viel Pflege

Bergen-Enkheim. Gute Naturkunde ist immer auch Heimatkunde. Eindrucksvoll illustriert das nun eine Ausstellung der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) über Streuobstwiesen im Heimatmuseum von Bergen-Enkheim. Für Horst Becker aus dem Museumsträgerverein war es deshalb keine Frage, der HGON mit ihrer Gastausstellung Tür und Tor zu öffnen. Werde doch am Berger Hang seit Mitte des 19. Jahrhunderts zur Bewältigung damaliger Lebensmittelknappheit Obst angebaut. "Streuobstwiesen sind hier schon immer landschaftsprägend und bestimmend für das Kleinklima gewesen."

Die HGON hatte im Jahre 2002 damit begonnen, den sich über zehn Quadratkilometer erstreckenden Wiesenbestand in der Seckbacher Gemarkung vom Berger Hang bis hinunter nach Berkersheim zu erfassen. "Diese Strecke gehört zum größten zusammenhängenden Streuobstwiesengürtel Frankfurts, der sich im Osten bis ins Maintal erstreckt", erläutert Walter Gengenbach vom Arbeitskreis Frankfurt der HGON. In der Ausstellung werde die Arbeit der Gesellschaft in diesem Gebiet dokumentiert. Außerdem wolle der Arbeitskreis die für die Streuobstwiesen typische Flora und Fauna vorstellen, ihren Naherholungswert und den Vorteil regionaler Erzeugnisse hochhalten und die Neugier der Menschen auf die Natur und die Arbeit der HGON wecken. "Streuobstwiesen werden heute von zwei Faktoren bedroht", sagt Gengenbach: von Baumaßnahmen und von Vernachlässigung. "Streuobstwiesen sind Kulturbiotope, die intensiv gepflegt werden müssen." Da sie ihren Stellenwert als Nahrungsquelle in den 70er Jahren verloren hätten, kümmerten sich die Eigentümer nicht mehr um sie, viele könnten das auch gar nicht mehr leisten. "Die Obstbäume aber gehen ab, wenn sie nicht geschnitten werden, die Wiese verbuscht, wenn sie nicht gemäht wird."

Insgesamt 300 Parzellen habe die HGON am Heiligenstock kartieren können. Wie kleinteilig diese Parzellen sind dokumentieren Karten, auf denen auch der Obstbaumbestand nach Sorte, Alter und Zustand erfasst ist. "Die 300 Parzellen gehören etwa 150 Eigentümern." Diese habe der Arbeitskreis angeschrieben und von rund 50 das Einverständnis einholen können, sich des Bestandes annehmen zu dürfen.

Zirka 2000 Bäume seien in dem zehn Quadratkilometer großen Gebiet noch vorhanden, 20 Prozent davon sind kaputt. "Sie sind entweder bereits abgestorben oder aber kurz davor." Die Bemühungen des Arbeitskreises Frankfurt werde sich deshalb darauf konzentrieren, etwa 50 Jungbäume am Heiligenstock nachzupflanzen, den alten Bestand durch Obstbaumschnitte zu revitalisieren und die Wiesen von Büschen zu befreien.

"Als die HGON 1981 ihre Arbeit aufgenommen hat, stand der Steinkauz - ein typischer Gast der Streuobstwiese - auf der roten Liste", berichtet HGON-Vorsitzender Rudolf Fippl. Durch die Bestrebungen der Umweltschützer hatte sich der Bestand erholt, "Umweltverbände schätzen, dass heute in Hessen 600 bis 750 Paare leben." Die Brutvogelarten in den Streuobstwiesen werden von der HGON ebenfalls kartiert. Sie sollen demnächst in einem Atlas vorgestellt werden. Der Besucher der Ausstellung im Heimatmuseum kann sich anhand von Eiern, Federn, einiger Teilpräparate (etwa Flügel) und von Vogelstimmen ein Bild des ornithologischen Reichtums in hiesigen Breitengraden verschaffen.

"Die Natur ist eigentlich überall, auch mitten in der Stadt", sagt Walter Gengenbach. Auf der Frankfurter Zeil sei der Steinmarder heimisch geworden. Die meisten Besucher der Einkaufsstraße würden ihn jedoch einfach nicht erkennen. Mit der Ausstellung will die HGON Freude am Beobachten vermitteln. Die Umweltschützer brauchten auch weiterhin jede nur erdenkliche Unterstützung. "Bisher stand jede Streuobstwiese in Hessen unter Naturschutz." Die neue Gesetzesnovelle wolle diesen Schutz lockern und in die Hände der regionalen Verwaltung legen.

Die Ausstellung im Heimatmuseum läuft bis zum 16. Juli und ist immer donnerstags von 20 bis 21.30 Uhr, sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Auch außerhalb der Öffnungszeiten können Führungen vereinbart werden, Anmeldung bei Robert Feig unter der Telefonnummer 069/5486609.
Frankfurter Neue Presse, 22.04.2006



Eröffnungsfeier am 20. April 2006



Fotos: Stefan Wehr